Km 3144 – Transsilvanien hautnah

Ihr Lieben! Seit drei Wochen radeln wir nun schon durch Rumänien. Nach den ersten paar Tagen berichteten wir euch bereits sehr euphorisch, wie gut es uns hier gefällt. Inzwischen können wir ruhigen Gewissens behaupten, dass wir Land und Leute noch ein bisschen besser kennenlernen durften und uns unsere anfängliche Euphorie nicht getäuscht hat. Inzwischen sind wir in Sibiu/ Hermannstadt angekommen und machen hier ein paar Tage Pause. Zeit, um ein paar Eindrücke Revue passieren zu lassen.

Eins können wir gleich voranstellen: Es war nicht unsere Absicht, den kürzesten Weg zu finden. Wir sind hier mit einer Karte im Maßstab 1:650.000 unterwegs – Also fast der Maßstab einer Deutschlandkarte. Zu unserer großen Überraschung sind jedoch auf dieser Karte wirklich alle Orte drauf, die es hier auch tatsächlich gibt. Unsere Tschechienkarte war etwas besser im Maßstab, konnte aber lediglich nur die Hälfte aller real existierenden Ortschaften aufweisen. Krzysztof, unsere polnische Bekanntschaft hatte uns in Debrecen beim Blick auf unsere Karte nur empfohlen: „Don’t take the red Road’s“. Gemeint sind die großen Hauptstraßen, die wir auch tatsächlich so gut es geht versuchen zu meiden. Unsere Karte hat dann noch orange, gelbe und weiße Straßen. Je heller, desto weniger Verkehr. Damit ist eigentlich unsere Routenwahl auch schon erklärt, wobei wir nach einiger Zeit lernen mussten, dass man bei weißen Straßen mit einer gewissen Sicherheit davon ausgehen kann, auf einer übelsten Piste zu landen. Offroad-Abenteuer pur!

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unsere Karte – 1:650.000 reicht hier völlig aus. Dazu noch das wichtigste in Landessprache und schon kann es losgehen 🙂

Bis Boghiş war das Land noch relativ flach, doch das sollte sich nun allmählig ändern. Uns erwarteten die ersten höheren Hügel. Immer wieder ging es 100-200 Höhenmeter hoch, dann wieder runter und wieder hoch.. Fuhr sich richtig gut. Die Hügellandschaft ermöglicht immer wieder neue Blicke in schöne Täler. Wir durchfahren viele Dörfer mit farbenprächtigen Häusern. Abgesehen vom Straßenverkehr drehen sich die Uhren etwas langsamer. Gegen Abend sieht man überall die Leute an der Straße sitzen. Fast jedes Grundstück hat hierfür eigens Sitzgelegenheiten parat. Manchmal ist das nur ein etwas größerer Stein, auf dem es sich bequem 1-2 h aushalten lässt, manchmal sitzen Omi und Opi aber auch sehr feudal auf einer großen, überdachten Bank mit Beistelltisch. Die Atmosphäre in den Dörfern ist klasse! Zu unserer großen Verwunderung sind die meisten Hofhunde zu faul, uns hinterherzurennen, die Straßenhunde wiederum zu scheu und/ oder ebenfalls zu faul, mit uns auf Tuchfühlung zu gehen.

Mit den Leuten verhält es sich fast immer so: Wir kommen angeradelt und ernten wie immer meist skeptische bis fragende Blicke und blicken in häufig lange Gesichter. Grüßen wir jedoch in unserem besten Rumänisch, verwandeln sich die langen Gesichter sofort in freundlich dreinblickende und erwidern fast ausnahmslos den Gruß. Eine Sache die uns hier richtig gut gefällt.

Von Boghiş ging es zunächst in Richtung Cluj-Napoca. Um große Straßen zu meiden, entschieden wir uns aber für einen kleinen Umweg von 1-2 Tagen und fuhren einen kleinen Bogen über Zalau und Jibou. Jibou selbst stand eigentlich gar nicht unbedingt auf dem Plan, aber wie es der Zufall so wollte, wurden wir kurz hinter Zalau auf der Straße angehalten und nach Jibou eingeladen. Unser Plan war es eigentlich, irgendwo in der Wildnis zu Zelten, doch so ein nettes Angebot nehmen wir natürlich sehr gern an. Wir dürfen im Privatgarten zelten hieß es – und so ziehen wir die letzten 15 km bis Jibou nochmal ordentlich durch, kommen aber trotzdem erst im Dunkeln an. Es wird noch gegrillt und wir üben mit den Kindern etwas deutsch 😊 Wir werden auf jeden Fall richtig verwöhnt und dürfen am Ende sogar im Haus schlafen – unsere Gastgeber fahren stattdessen zur Schwiegermutter und schlafen auswärts, nur damit wir nicht extra das Zelt aufbauen müssen. Unglaublich! Zum Frühstück geht das Verwöhnprogramm mit leckerem hausgemachten Essen weiter. Wir gehen mit den Kindern unterdessen unser Bildwörterbuch durch und üben fleißig weiter deutsche Begriffe. Der Abschied fällt am Ende sehr sehr schwer. Wir bekommen noch superleckere Marmelade, etwas Palinca für den Weg und noch einige weitere Andenken, die wir mit größter Vorsicht in unsere Taschen verstauen. Vielen Dank an Silvia, ihren Mann Alexandru dem 3., Tochter Luisa und ihrem Sohn Alexandru (dem 4.), Freundin Margareta und alle anderen…. Wir kommen gerne wieder!

Wir kommen nach solchen Begegnungen immer erst spät los. Zugegeben.. wir sitzen auch nicht auf glühenden Kohlen. Manchmal nervt es mich zwar, dass wir oftmals erst gegen 12 oder später aufbrechen, aber wenn wir irgendwo zu Gast sind, wollen wir unseren Gastgebern auch nicht den Eindruck vermitteln, nur Mittel zum Zweck zu sein. Stattdessen nehmen wir uns lieber noch ein bisschen mehr Zeit und fahren stattdessen an dem Tag nicht so weit. Und so finden wir auf dem Weg nach Cluj ein schönes Plätzchen am Rande einer riesigen Obstplantage. Absolut idyllisch. Cluj erreichten wir schließlich – schneller als uns lieb war – am nächsten Tag. Unser Plan war eigentlich, noch vor der Stadt eine Ecke zum Zelten zu finden, doch bereits 10 km vor Cluj ging es nur noch bergab, sodass wir schneller in Cluj waren, als wir eigentlich wollten und schließlich in einem wenig sehenswerten Industrieviertel eine bezahlbare Unterkunft bezogen.

Cluj (sprich Klusch) selber kann mit vielen sehr sehenswerten Gebäuden beeindrucken. Immerhin befinden wir uns auch in Rumäniens zweitgrößter Stadt. Was uns jedoch enorm nervt, ist der Autoverkehr, der auch in gewisser Weise beeindruckend ist. Auf mehrspurige Einbahnstraßen durchzieht eine gigantische Blechlawine die Stadt. Dabei wird stets nach dem Binär-Prinzip gefahren – entweder Vollgas oder Vollbremsung. Womöglich sind viele Autos auch nicht mit Pedalen, sondern nur mit einem großen Umschaltheben für diese Fahrzustände ausgestattet. Wir wissen es nicht.

Kaum weniger beeindruckend als der Verkehr sind die Müllberge der Stadt und das Leben in selbigen. Unsere Routenwahl geschah mal wieder nach dem Zufallsprinzip und so fanden wir uns wenige km hinter dem Stadtrand in einem riesigen Zigeunerslum wieder, dessen Lebensgrundlage unmissverständlich die noch größere Mülldeponie am gleichen Ort war. Uns wird ganz Flau in der Magengegend, doch wir sind bereits durch einige Zigeunerortschaften gefahren und hatten bislang nie Probleme – also Augen auf und durch. Der Weg ist nur noch eine Piste. Links stehen unzählige Bretterbuden. Überall Menschen, viele Kinder, laute Musik, Dreck und vor allem Müll. Wie ein Teppich deckt der Müll vielerorts den Boden ab. Zwischendrin laufen Hunde und ein paar äußertst fette Schweine umher und suchen nach etwas Fressbaren. Na lecker. „Die Tiere willst‘e später mal nicht auf deinem Teller haben, die bestehen innerlich bestimmt auch nur noch aus Plastik!“ geht uns nur noch durch den Kopf. Für die Menschen hier scheint dieses Leben das normalste der Welt zu sein, doch in uns erwecken sie ein Gefühl der Fassungslosigkeit.

Keine 10 km später sieht die Landschaft wieder aus, wie im Märchen. Wir finden einen super Zeltplatz am Hang mit bestem Blick über das unter uns liegende Tal und fragen uns, warum man freiwillig im Müll wohnt, wenn das schöne doch so nah liegt. Die Zigeunerkultur ist für uns immer wieder ein Rätsel.

Nach Cluj-Napoca wollten wir weiter in Richtung Sighișoara/ Schäßburg und nach Spuren der Siebenbürger Sachsens zu suchen. Der direkte Weg war mal wieder nicht der unsere und so wählten wir eine Route über Târgu Mureș durch herrliche kleine Bergdörfer und über Straßen, die eigentlich keine mehr waren. Die Leute in den Dörfer sind zum Glück sehr offen, als wir um die Erlaubnis für ein Foto bitten und laden uns schließlich sogar noch zu Limo und Palinca ein, oder schenken uns selbstgemachten Käse und Brot. Großartig!

Einige km vor Târgu Mureș durften wir in Grebenișu de Câmpie bei Ioana und ihrer Familie im Garten schlafen. Ihr Mann Daniel hat extra für uns sogar nochmal den Rasen gemäht. Abends wurden wir außerdem noch zum Essen eingeladen. Sogar die Nachbarin kam noch herbei und schenkte uns Eingewecktes. Auch der nächste Tag startet mit landestypischen Leckereien. Wir sind absolut happy und äußerst dankbar für die Gastfreundschaft von Ioana und Daniel, sowie ihren beiden Söhnen Iared und Emilian.

Neumarkt am Mieresch, wie Târgu Mureș  im Deutschen heißt, empfängt uns zunächst mit abschreckender Industrie. Nach so viel Natur, die wir vorher sehen durften, wollen qualmende Schlote einfach nicht ins Bild passen. Dunst liegt im Tal, es riecht etwas säuerlich. Die Stadt selber ist aber eigentlich recht schön, wenn auch wieder arg mit Autos vollgestopft. Wirklich lange bleiben wir aber nicht, sondern verlassen die Stadt weiter gen Osten. Richtung Schäßburg führt nur eine große Schnellstraße, also wählen wir eine Route weiter östlich durch die Berge und landen am Abend in  Sânișor. Wir fragen an einer Bar mit sehr einladend aussehendem Rasen nebenan, ob wir hier Zelten dürfen. Nach wenigen Worten merken wir, dass wir hier mal wieder in „Ungarn“ sind und wiederholen unser Anliegen in einfachen Worten nochmal auf Ungarisch. Wir freuen uns, dass wir mal wieder unsere 5 Wörter ungarisch verwenden können. Jedenfalls ist es gar kein Problem. Wir dürfen Zelten und wollen unsere Ankunft mit einem Bier zelebrieren. Wir erzählen ein bisschen was wir so machen und wo wir schon überall waren. Die Leute freuen sich, dass uns ihr Land gefällt. Schließlich bekommen wir einen sicheren Platz für die Räder gezeigt – auf der Privatterrasse. Das Haus ist größer als es von der Straße aussieht und hat auf der Rückseite noch Außentreppen, die mich ein wenig an den Wilden Westen erinnern. Wir sollen mit hochkommen und stehen kurze Zeit später in einem Gästezimmer. Zelten sollen wir nicht, sondern hier in einem ordentlichen Bett schlafen. Es soll schließlich regnen! Genial! Als wir wieder unten auf der Terrasse stehen, hat Maria – unsere Gastgeberin – bereits den Abendbrottisch mit allerlei Leckereien gedeckt. Judit, ihre Tochter, die heute die Bar macht, hat inzwischen unsere Sachen von der Bar mit hinter auf die Terrasse gebracht. Wir sind schon wieder sprachlos und genießen unser Abendessen. Später kommt noch Judits Schwester mit Sohn hinzu. Alle freuen sich über unseren Besuch! Zum Tagesabschluss bekommen wir Städter noch den ganzen Hof gezeigt- Melkanlage im Kuhstall, Schweinestall, Schafaufzucht, Babyhühnchen etc. und Hunde gibt’s hier natürlich –  wie überall. Am nächsten Morgen wartet bereits ein leckeres Frühstück mit Suppe und Eierkuchen auf uns – Ganz nach unserem Geschmack! Aufgeladen mit positiver Energie können wir so perfekt in den neuen Tag starten, wen interessiert es schon, dass es erneut mittags um 1 ist?

Und die positive Energie war auch notwendig, denn der folgende Tag war der erste Regentag seit Ewigkeiten. Wir winken zum Abschied, fahren 1-2 Serpentinen hoch, schon regnet es stark. Einen Vorteil hat der Regen jedoch: Wir sind schnell. Wir verbummeln ja so schon arg viel Zeit. Bei schönem Wetter umso mehr. Hier ein Foto, da eine Trinkpause, dort mal schnell ein leckeres Essen am Straßenrand kochen… Bei Regen werden keine unnötigen Fotopausen gemacht, gekocht wird erst recht nicht und auch das Fahrtempo wird dezent angehoben. So sehen wir zwar nicht ganz so viel von den Orten auf dem Weg, aber danach steht uns bei kräftigem Regen auch nicht so der Sinn.

Der Regentag hatte eine ganz andere Begegnung für uns auf Lager: Mal wieder sind wir auf einer „weißen Straße“ unterwegs und sind noch guter Dinge ob des Straßenzustandes. Doch der Schein trügt. Eben noch fahren wir durch ein wunderschönes ungarisch geprägtes Dorf, kurze Zeit später finden wir uns auf grobem Schotter wieder. Es regnet immer noch. In der Ferne sehen wir eine Kutsche uns entgegenkommen. Das Pferd gibt alles und die Leute auf der Kutsche vermitteln auf uns nicht unbedingt den Eindruck, als hätten sie die Situation noch unter Kontrolle. Die Kutsche wird durch die vielen Schlaglöcher aufs Übelste durchgeschüttelt, Wasser spritzt hoch, Dreck fliegt durch die Gegend. Fast schon filmreif. Die Gegend selbst vermittelt kein sonderlich einladendes Bild. Bretterbuden am Straßenrand, in der Ferne einige Kinder, die im Dreck herumrennen. Wir sind in einem Zigeunerdorf. Kein großes, auch kein extrem vermülltes, aber trotzdem eindeutig ein Zigeunerdorf. Ehe wir uns versehen kommen die Kinder auf uns zugestürmt. Erst 2, 3 dann werden es immer mehr. Da wir den Roma in der Regel unterstellen, vorzugsweise Rumänisch zu sprechen, begrüßen wir die Kindermeute mit „Buna“ (Hallo). Egal wie suspekt uns bisher Zigeuner (Jung und Alt) vorkamen – nach einem kurzen Gruß in ihrer Sprache haben wir stets in ein lächelndes, oder mindestens in ein verwirrt-verwundertes Gesicht blicken können. Doch hier war etwas anders. Die Kinder interessierten sich in keinster Weise für unser Ablenkungs-Buna. Stattdessen hielten Sie ihre Hände zusammen und riefen laut „Gummi!!“, „Gummi, Gummi, Gummi!“. Wie Zombies (entschuldigt bitte den Vergleich) kamen immer mehr Kinder. Einige zogen sich die Enden ihres T-Shirts so nach oben, dass sich eine große Sammeltasche ergab. Noch bevor wir darüber nachdenken konnten, ob wir wirklich so wohlhabend aussehen, dass diese Tasche voll werden könnte, fingen die ersten Kinderhände an, an unseren Rädern, Taschen und Sachen herumzufingern. Dass die Kinder offenbar keine Gummitiere von uns wollten, sondern nur auf Bares aus waren vermittelten sie uns unmissverständlich mit ihren Gesten. Die älteren Zigeuner stehen währenddessen gelassen an ihren Hütten und beobachten uns. Die Kinder werden unterdessen immer mutiger und zerren inzwischen an unseren Sachen. Während ich soweit alle abschütteln konnte – zu unserem Nachteil war die Straße nicht nur schlecht, sie führte vor allem bergauf – schaute ich zu Aileen zurück. Einige Kinder zerren wie die Blöden an ihrer am Essenssack befestigten Warnweste. Andere schieben ihr Rad von hinten in Richtung Straßengraben. Ich kehre um und entlade laut brüllend meine Wut. Mein Puls kocht. Dafür stehen die Gören nun stramm wie die Zinnsoldaten. Keiner gibt mehr einen Muchs von sich. Nur der Jüngste – er ist höchstens 8 – schlägt mit der Faust in die hohle Hand. – Prügelei? Wir verschwinden! Langsam und mit hohem Puls. In uns eine Mischung aus Wut, Angst, Verzweiflung und Fassungslosigkeit. Die Kinder sind nicht straffähig und werden zum Klauen und Betteln erzogen. Regeln scheint es in ihrem jungen Leben keine zu geben. Bereits in der Slowakei wurden wir vor derartigen Situationen gewarnt. Nun haben wir selber eine hinter uns. Geschockt und verunsichert arbeiten wir uns die Offroadpiste weiter den Berg hoch. Unsere Unbefangenheit den Zigeunern gegenüber ist erstmal dahin und muss nun mühsam neu aufgebaut werden. Traue keinem unter 14… Während wir versuchen, das Erlebte zu verarbeiten, kommen wir Schäßburg immer näher. Nach Zelten ist uns heute eh nicht mehr, weshalb wir kurzerhand ein supergünstiges Zimmer mitten im historischen Zentrum ergattern können. Absoluter Glücksgriff, wie sich später herausstellte.

Schäßburg ist eine der 7 Burgen der Siebenbürger Sachsens. In der Stadt entdecken wir noch einige Relikte aus ihrer Zeit. Die mittelalterliche Stadt ist wirklich traumhaft schön. Kleine bunte Häuser säumen die engen Gassen. Die Straßen sind mit rundgelutschtem Pflaster befestigt, unter den Straßenschildern hängen noch die deutschen Straßennamen. Hier und da finden sich auch noch einige deutsche Aufschriften, doch die Zeit der Deutschen ist hier eindeutig vorbei. Dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Gang über den Deutschenfriedhof. Die letzte Generation hat hier in den 70er und 80er Jahren das Zeitliche gesegnet. Jüngere Gräber finden sich deutlich weniger. Beeindruckend ist der Friedhof jedoch allemal. Viele Gräber sind weit über 100 Jahre alt. Häufig schrieb man die Berufsbezeichnung der Verstorbenen mit an den Grabstein. Unweigerlich wird man gedanklich in eine andere Zeit versetzt. Bei unserem anschließenden Stadtbummel sehen wir die Stadt auch gleich mit ganz anderen Augen. Vor dem inneren Auge sitzen an den inzwischen kaputten Singer-Nähmaschinen der halb verfallenen Schneiderei noch die Näherinnen und Schneider und zaubern Gewänder für all die anderen Bürger dieser Stadt. Schäßburg kann einen schon ein bisschen in seinen Bann ziehen, auch wenn das Wetter nicht ganz so mitspielt…

Nach Schäßburg soll es nun langsam aber sicher Richtung Berge gehen. Wir fahren über Mediaş gen Westen. Auch Mediaş ist eine alte Kirchenburg-Stadt. Das historische Zentrum ist extrem entspannt. Nur wenige Leute und so gut wie kein Auto sind hier unterwegs, sodass wir uns auch hier auf Spurensuche der Sachsen begeben können. Wir fassen spontan den Entschluss, in dieser Stadt eine Nacht zu bleiben um ein paar schöne Nachtaufnahmen machen zu können. Doch es findet sich keine bezahlbare Unterkunft mehr – also müssen wir weiter.

In Copşa Mica, einige km hinter Mediaş fragen wir zwei Männer an der Straße, ob ihnen was einfällt, wo wir Zelten können. Sie sind ein wenig ratlos, doch nachdem die Frauen vom Hof hinter ihnen etwas gerufen hatten, bedeuteten sie uns, ihnen zu folgen. Sie fuhren mit ihrem Auto gut 2 km durch den Ort auf eine Seitenstraße. Wir stehen in einer Siedlung. Links ein paar Büsche, Wiese und ein alter, aber intakter Spielplatz, rechts stehen die Häuser relativ dicht aneinandergereiht am Berg, sodass zwischen ihnen nur wenig Platz für einen Durchgang in den dahinterliegenden Garten ist. Die Männer öffnen ein Gartentor und anschließend die Tür eines Hauses. Wir stehen wenig später im Wohn- und Schlafzimmer des kleinen Hauses. Das Haus gehört einer 5-köpfigen Familie, die aber derzeit in Deutschland zum Arbeiten ist. Im Raum stehen zwei Betten. Eins links, eins rechts. An den Wänden hängen alberne Wandteppiche mit Hundecomic-Motiven. Auch der Fußboden ist mit reichlich Teppichen ausgelegt. In der Ecke steht ein superkleiner Ofen, daneben eine kleine Kommode mit Spiegel obendrauf. Im Nachbarzimmer steht ein kleiner und leerer Kleiderschrank, ein weiterer Schrank, sowie eine Art Schlafcouch. Das war’s. Hier leben 5 Menschen auf vielleicht 25 m². Dazu noch eine Küche. Mehr nicht. Wir können es uns kaum vorstellen. Der ältere der Männer signalisiert uns, im Wandteppichzimmer doch einfach die Nacht in den beiden Betten zu verbringen. Wir trauen unseren Ohren kaum. Damit hätten wir ja im Traum nicht gerechnet. Zelten draußen sei zu gefährlich und wir sollen auch ja alle Sachen mit ins Haus nehmen und dann ordentlich zuschließen. Ehrlich gesagt fühlen wir uns hier eigentlich ziemlich sicher… Aber natürlich nehmen wir alles mit rein. Immer! Anschließend lernen wir die Nachbarn kennen. Vasile, seine Frau (leider haben wir ihren Namen nicht notiert) und Sohn Bogdan laden uns zum Kaffee ein. Halb 9 am Abend ist zwar schon etwas spät für Kaffee, aber wir freuen uns sehr über die Einladung und sitzen wenig später in Ihrem Haus. Vasile zeigt mir ganz stolz seinen Garten und seine Tiere und gibt uns sogar noch eine große Portion Lauchzwiebeln mit auf den Weg. Wir sitzen fast bis um 10 und das, obwohl wir noch bei den anderen Nachbarn – unsere eigentlichen Gastgeber (der ältere der beiden Männer + Frau) – zum Abendessen eingeladen sind. Aber auch das ist kein Problem. Hier ist noch niemand müde und so sitzen wir wenig später bei Ihnen im Haus und freuen uns über das leckere Abendessen. Später kommt noch der Schwiegersohn (der jüngere Mann) mit Frau und Tochter vorbei. Alle freuen sich über unsere Gesellschaft und wir sind begeistert, mal hinter die Fassaden der Rumänischen Häuschen schauen zu dürfen. Und das gleich drei Mal!

Nach einem Kaffee am nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung Blaj. Bei einer Frühstückspause läuft uns ein lieb aussehender Straßenhund zu. Wir nennen ihn Schnuffi, sehen aber ein, dass eine Reise mit Hund mit zu vielen Problemen verbunden sein wird und lösen das noch frische Verhältnis schnell wieder auf, bevor es zu spät ist.

Nach einer weiteren Zeltnacht in der wunderschönen Hügellandschaft Siebenbürgens erreichen wir schließlich Sebeş (Mühlbach). Ein weiterer Ort um Relikte deutscher Besiedlung zu suchen… Wir befinden uns nun unmittelbar vor dem südlichen Karpatenbogen. Nach einem Rasttag starten wir zum bislang höhenmeterreichsten Abschnitt unserer Reise – der Transalpina.

Da wir in ein paar Tagen in Sibiu sein wollen, entscheiden wir uns in 2 Tagen von unserem Pausenort auf 350 m bis zum höchsten Punkt der Transalpina zu kurbeln und anschließend auf der gleichen Seite wieder den Berg runterzurollen um dann weiter durch die Berge rüber nach Sibiu zu fahren. Und so machten wir es auch. Den allerhöchsten Punkt der Transalpina haben wir durch aufziehendes Schlechtwetter und fehlende Zeit zwar nicht ganz geschafft, aber 2100m waren es trotzdem. Für den höchsten, der beiden Gipfelpässe hätten wir nochmal 200 hm runter und wieder hochgemusst .. war zeitlich und wettertechnisch einfach nicht drin, denn wir mussten ja alles wieder zurück. Die Straße und die Ausblicke als Solches waren aber auf jeden Fall der Wahnsinn! Auch die Leute waren offenbar davon begeistert, uns zu sehen. Viele Leute winken uns zu, Motorradfahrer strecken uns den Daumen entgegen, andere leiern das Fenster runter und rufen „Bravo, Super, Bine!“. Das gibt Kraft und Motivation – wobei wir eigentlich schon sehr motiviert sind. Viele Leute machen auch Fotos mit ihren Handys von uns.. wahrscheinlich schütteln Sie innerlich alle nur mit dem Kopf. Am Morgen haben wir nur einen weiteren Radler gesehen, sonst keinen. Noch nicht einmal einen Rennradfahrer. Und da kommen wir mit unseren 65kg Rädern, die wir extra nochmal jeweils mit zwei 2L-Flaschen Wasser beschwert haben. Ich würde auch mit dem Kopf schütteln. Oben angekommen sind die Strapazen aber schnell vergessen. Und die Abfahrt entschädigt am Ende für alles! Großartig.

Wir finden an drei Tagen in Folge super Zeltplätze mit Gebirgsbächen, die uns einerseits mit Trinkwasser, andererseits aber auch mit Waschwasser versorgten. Nur Lebensmittel gab es in dieser Ecke keine zu kaufen und unser Vorrat war nicht unbedingt üppig, hat aber am Ende auch gerade so gereicht. In Voineasa kaufen wir dann aber auch gleich den halben Minimarkt leer. Vor uns liegt nun eine letzte Gebirgsüberquerung. Über die Existenz des Weges unserer Wahl sind sich unsere Kartenwerke noch uneins. Auf der großmaßstäblichen Karte liegt eine „weiße Straße“ vor uns. Was das bedeutet, wissen wir bereits. Unsere OSMAND-Karten-App will den Weg aber erstmal gar nicht kennen. Erst im größten Detailgrad ist ein Weg erkennbar – das deutet eher auf unscheinbaren Wanderweg hin. Lassen wir uns überraschen. Wir kaufen vorsichtshalber für 3 Tage ein. Die Verbindung auf die andere Seite des Gebirges soll zwar nur 40 km lang sein, aber sicher ist sicher.

Kaum verlassen wir Voineasa, zeigt die „weiße Straße“ auch ihr wahres Gesicht. Schlaglöcher und Schotter verdrängen zusehends die letzten Asphaltfetzen. Bis zum ersten Schlafplatz einige km hinter Voineasa steigt der Weg nur langsam an. Der lehmig-sandige Untergrund lässt uns trotzdem kaum schneller als 8 km/h fahren. Am nächsten Tag geht es steil weiter. Richtig steil. Die paar Allrad-Autos und Forstfahrzeuge, die sich hier den Berg hochquälen, hinterlassen allemal tiefe Furchen. Bis 10% Steigung ist das Fahren auf dem losen Untergrund gerade noch möglich, danach geht nix mehr. Der Tacho zeigt kaum mehr als 4-5 km/h an. Bei dieser geringen Geschwindigkeit und dem losen Untergrund ist es kaum möglich mit den schweren Rädern lange das Gleichgewicht zu halten. Entweder die Furchen sind so tief, dass es uns die Front-Taschen abreißt, oder wir geraten durch die Furchen, Löcher und Steine ins Trudeln. Immer wieder absteigen, durchatmen, Kraft sammeln, Schweiß abwischen, konzentrieren und anfahren. Die ersten paar Meter sind am schwierigsten, da die Räder durch ihr Gewicht von Natur aus schnell ins Trudeln geraten und eher zurück als vor wollen. Nach einigen Stunden springt der Tacho um .. 10 km. Je höher wir kommen, umso steiler wird der Weg. Die letzten 150 hm schaffen wir nur noch im Team. Zu zweit schieben wir ein Rad immer ca. 100-200m vorwärts, stellen es ab, laufen zurück und holen das andere Rad. Abends um 7 haben wir es schließlich geschafft. Der Höhenmesser zeigt 1640 m an. Die Hochpunkt liegt laut Höhenlinien in der Handykarte bei 1650 m. Im Wald stehen ein paar Bretterbuden. In einiger Entfernung errichten wir unser Lager gut blickgeschützt hinter einem Hügel. So hoch haben wir noch nie gezeltet! Tagesleistung: 14 km schwere Piste und 800 hm. Wir sind erledigt. Kurz vor dem Einschlafen höre ich einen Jeep sich durchs Gelände quälen. Wenig später ein Schuss. Dann noch einer. Jäger? Keine Ahnung….

Punkt um 2 schrecken wir wie von der Tarantel gestochen aus dem Tiefschlaf hoch. Ein Knall. Unfassbar laut. Unsere Ohren dröhnen. Ehe wir begreifen was los ist, knallt es noch einmal. Die das Hochplateau eingrenzenden Berge schicken den Schall unmittelbar darauf wummernd zurück. Scheiße! Was ist hier los? Schüsse? Als Pazifist und Kriegsdienstverweigerer habe ich natürlich keine Vorstellung, wie laut ein Gewehr ist und noch weniger habe ich dafür Verständnis, warum man mit einem solchen nachts um 2 unmittelbar neben dem Zelt von zwei wehrlosen Radfahrern herumballern muss, aber ja: das waren Gewehrschüsse. Einige Sekunden vergehen. Stimmen kommen etwas näher. Wir liegen regungslos im Zelt. Nur nicht bewegen, nicht dass einer noch denkt, wir seinen Wildtiere und uns auch noch abballert. Was will man in so einer Situation auch machen? Taschenlampenlicht flackert übers Zelt. Wir wurden entdeckt. Zum ersten Mal bin ich dankbar über die in meinen Augen sonst völlig nutzlosen Reflektoren an unserem Zelt. Jetzt gibt es nur noch zwei Optionen: 1. Der Jäger hat das Zelt erkannt und wird nicht auf uns schießen, oder 2. Der Jäger ist kein Jäger und wir werden gleich überfallen. Nun. Letztere Variante erscheint uns nicht naheliegend und so hoffen wir auf 1. Wirklich näher kommen die Stimmen nicht. Offenbar wird gerade das arme, durch die zwei Schüsse sicherlich arg in Mittleidenschaft gezogene Tier gesucht. Autotüren fallen zu. Ein Motor geht an und wird umgehend abgewürgt… hihi.. Das Karma rächt sich sofort .. wenn auch nur im kleinen Rahmen. Ein zweites Auto ist zu hören. Beide Fahrzeuge entfernen sich langsam. Aber an entspanntes Weiterschlafen ist erstmal nicht zu denken..

Am nächsten Morgen wachen wir erleichtert auf. Die Nacht ist endlich vorbei, wir leben noch und wir haben keine Einschusslöcher im Zelt. Puh! Dafür hören wir Schafe. Gegen Schafe ist ja im Grunde nichts einzuwenden, gegen die abgerichteten Hütehunde jedoch schon. Gespannt hocken wir hinter der kleinen Lüftungsöffnung in unserem Zelt und beobachten, wie wir sukzessive von Schafen umgeben werden. Keiner nimmt Notiz von uns. Nicht einmal die Hunde. Wie geil! Wir sind unsichtbar! Aber nur solange wir in unserem Zelt sitzen. Also müssen wir den Besuch der Schafherde erstmal aussitzen, bevor wir einige Zeit später dann endlich diesen Ort verlassen können.

km 3144 (69 von 74)
Aufwachen in der Schafherde (Querung des Lotrului- und Cindrel-Gebirges)

Die Abfahrt macht ungefähr genauso viel Spaß wie das Hochfahren. Auf dem kaum fahrbaren Untergrund stehen wir fast durchgängig auf der Bremse. Aber wenigstens können wir die Räder rollen lassen. Also doch etwas mehr Spaß als bergauf 😊 – der Tacho zeigt tatsächlich mal 12km/h.

Unten im Tal freuen wir uns über die asphaltierte Straße. Am Fluss Sadu geht es weiter runter bis zum gleichnamigen Ort. Überall tummeln sich die Leute am Fluss und verbringen ihren Pfingsturlaub mit Grill, Zelt und allem Drum und Dran. Sofort müssen wir wieder an Krzysztof denken: „If you want to camp on the river, you can camp on the river!“ Zu hunderten tummeln sich die Leute hier am Fluss. Ein sehr ungewohntes Bild für uns – machen wir uns doch immer einen übelsten Kopf, möglichst nicht so auffällig wild zu zelten. Hier kümmert das keinen. Auf der Straße begegnen uns Kühe und Esel. Ohne Hirte. Einfach so. Die Tiere wissen schon, wo sie hinmüssen und können hier machen was sie wollen. Ein Esel kam uns völlig selbstständig mit 4 Milchkannen auf dem Rücken entgegen. Großartig!

Am Abend erreichen wir Heltau. Einer der Orte, in denen fast ausschließlich Deutsche wohnten. Wir treffen am Abend bei der Schlafplatzsuche tatsächlich auf die Tochter einer echten Siebenbürgin – mittlerweile schon selbst im Rentenalter. Wir begegneten ihr beim Besuch Ihrer Freundin, die auch sehr gut deutsch spricht und uns kurzerhand einen Schlafplatz im Garten oder in ihrem Sommerhäuschen anbietet. Wir entscheiden uns für letzteres 😊 Den Abend verbringen wir mit ihr (Maria) und ihrem Mann Ticu. Die beiden laden uns noch zum Abendessen ein. Vom Garten der beiden hat man einen herrlichen Blick rüber zu den Bergen!

Zu genau den Bergen des Făgăraș-Gebirges, die wir uns in den nächsten Tagen ganz aus der Nähe ansehen werden. Die Räder werden für ca. 10-12 Tage still stehen, die Lasten werden ab sofort auf unseren Rücken und nicht mehr auf unseren Drahteseln transportiert. Es geht hoch hinaus… Zu sehen gibt’s das Ganze auch in bewegten Bildern im August im MDR. Wir freuen uns auf die Bergexpedition mit dem BIWAK-Team – eine geile Truppe! Auf geht’s…

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2 Kommentare zu „Km 3144 – Transsilvanien hautnah

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  1. Hallo Ihr Zwei!
    Über Euer Lebenszeichen sind wir erst einmal froh. Zum neuen Bericht können wir nur sagen: Hut Ab! Trotzdem ganz schön verrückt und abendteuerlich. Wir staunen, was Ihr Euch alles zumutet. Wir hoffen nur, dass Ihr alle noch kommenden, riskannten Situationen gesund und munter übersteht. Weiterhin viel Kraft und Freude beim Bergsteigen. Liebe Grüße von Opa und Oma aus Beeskow.

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  2. Ufff, da sind wir erst mal ganz erschlagen !
    Und das ein oder andere graue Haar haben wir auch mehr. Ich glaube, wir werden langsam alt: wir stellen uns immer vor, was so alles hätte passieren können !!!😱
    Aber schön, dass es noch so viel mehr gastfreundliche Menschen gibt – die sind in Deutschland wahrscheinlich auch eher selten.


    Bei Euch erhält der Begriff „Radwandern“ eine ganz neue Dimension. Was Ihr alles MIT Rad und Gepäck am Berg macht, brächte mich schon ohne all das nach hundert Schritten ins Sauerstoffzelt !

    Wir drücken Euch die Daumen, dass auch in Zukunft alles so glimpflich ausgeht, ihr gesund und fit bleibt … und das Wetter nicht solche Kapriolen wie bei uns schlägt. Wir leiden zwischen Hitze mit ca. 30 Grad, stürmischen, gewittrigen Regenschauern (in unserem Ort zum Glück ohne Hagel) und kalten 12 Grad im schnellen Wechsel.

    Nun wünschen wir Euch erst mal eine schöne Fernseh-Wanderung, die hoffentlich erholsamer ist als die Bergfahrten und Euch weitere tolle Erlebnisse beschert, welche Ihr dann hoffentlich bald wieder mit uns teilt!

    Viel Spaß! 👋🏻
    👪

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