Unser Zelt: Fjällräven Keb endurance 3 – ein Erfahrungsbericht

Lange habe ich überlegt, ob ich ein Review für unser Zelt schreiben sollte. Ist ja nicht so, dass Fjällräven uns die Hütte irgendwie für umsonst gegeben hat, damit wir möglichst wohlwollende Worte für diese finden. Rückblickend betrachtet bin ich nun sogar richtig froh, dass wir keinen wohlwollend klingenden – weil bezahlten – Bericht zu unserem Zelt schreiben müssen. Das Zelt ist gut – zweifelsohne – aber wir zählen uns nicht zu der Gruppe Menschen die ihr Geld sinnlos für Konsumgüter zum Fenster rausschmeißen ohne deren Wert zu hinterfragen. Insofern besteht unsererseits eine gewisse Erwartungshaltung.

Warum kauft man sich ein Zelt für 1000€? Wir hatten unsere lange Reise durch eine Vielzahl von Klimazonen vor Augen (4-Jahreszeitenzelt sollte es sein), zügiges weil tägliches Zeltauf- und abbauen, nicht zu schwer sollte es sein, gut belüftet und gleichzeitig sturmstabil. Schnell stand fest – ein Tunnelzelt ist optimal. Da passen alle Taschen ins Vorzelt und wir können uns sehr gut organisieren. Ein vollflächiger Zeltboden sollte noch dazugehören und auch permanent einhängbar sein. Wichtig: Gegen Insekten sollte das Vorzelt am Eingang ein Fliegengitter haben. Bis jetzt passte die Beschreibung sowohl zum Hilleberg Nammatj 3GT als auch zu unserem Fjällräven Keb Endurance 3. Und jetzt kommt die Beste Eigenschaft des Keb: Es hat zwei Eingänge im vorderen Bereich, beide mit Fliegengitter verschließbar. Tunnelzelte lüften eben trotzdem einfach nicht so toll. Bodentiefe 4-Jahreszeitenzelte erst recht nicht. Ab 25 °C freut man sich, wenn man so viele Fliegengitter wie möglich am Zelt hat. Zudem haben sich die beiden Eingänge auch im täglichen Gebrauch sehr bezahlt gemacht, da niemand dem anderen im Weg ist. Aus diesem Grund würde ich mich auch nach wie vor für das Keb entscheiden. Die Idee ist einfach noch besser als beim Hilleberg. Doch die Verarbeitung?

Brauchbare Testberichte sind über 2 Jahre nach Markteinführung fast keine im Netz zu finden. Zu oft wird einfach nur die Artikelbeschreibung umformuliert und mit irgendwelchen Zahlen jongliert. Da hat der eine 4,7mm mehr Wassersäule als der andere. Prima! Braucht aber niemand. Und bewertet hat die Hütte bis dato auch noch keiner. Ich hatte es mal mit einer kurzen 3 von 5 Sterne-Bewertung auf der Herstellerseite versucht, doch die wurde nie freigeschaltet. Insofern gibt’s nun hier was zu lesen:

Was wir alles mit dem Zelt veranstaltet haben, könnt ihr euch unter Fernreise Zentralasien  nochmal anschauen. Insgesamt waren es um die 100 Nächte im Zelt, entsprechend oft wurde das Zelt auf- und abgebaut, gezeltet wurde überall – wobei die grüne Wiese tatsächlich am wenigsten vertreten war. Mit folgender Ausstattung sind wir unterwegs gewesen:

  • Zelt Fjällräven endurance 3 mit Innenzelt
  • Zugehöriges Gestängeset (DAC Pressfit)
  • Ein kompletter Satz Originalheringe (aus dem Hause DAC) + kompletter Satz Rockpins (von Relags) für besonders harten Boden
  • Endurance 3 Footprint
  • sowie unser altes Salewa Kashgar-3-Footprint

Was haben wir genau bezahlt?

  • Zelt: knapp 1.000€ bei einem Onlinehändler
  • Footprint: 120€
  • extra Heringe für harten Boden (23 Stk.) ca. 50-60€
  • Unser Salewa-Footprint haben wir noch vom anderen Zelt. Dafür habe ich 2010 30€ bezahlt.

Heute muss ich tatsächlich immer wieder an Wolfgangs Worte (die beiden Offroader, die wir in Swanetien (Georgien) getroffen haben) denken: „Was ein Zelt in Euro kostet, muss es mindestens in Tagen halten!“ Ihr Hilleberg hatte sich nach dieser Rechnung bereits bezahlt gemacht. Und unser Zelt?

Obwohl bereits 2016 gekauft, war das Zelt zum Aufbruch 2017 nagelneu und unbenutzt. Warum? Es war bereits das zweite Zelt. Das erste Zelt hat die 3 Wochen über die Alpen nicht schadlos überstanden und musste getauscht werden. Sehr ärgerlich. Umtauschgründe waren:

  • das Material des Innenzeltes dröselte an den Reißverschlüssen auf – überall dort, wo es unter Spannung stand. Aus den feinen Ripstop-Quadraten wurden langsam Rechtecke und aus denen schließlich Löcher.
  • die Nahttapes des Innenzeltbodens lösten sich
  • zu guter Letzt war offenbar das Außenzelt auch noch vernäht. Egal, wie wir das Zelt aufgestellt hatten, hinten rechts lag die Innenzeltwand immer am Außenzelt an.

Fjällräven reagierte jedoch sehr unbürokratisch und tauschte das Zelt komplett. Dankbar, aber verunsichert konnten wir so nun in die große 2017er Tour starten…

Aufbau, Abbau

Zelt abends aufstellen und am nächsten Morgen wieder abbauen sollte nun für die nächsten sieben Monate zu unserem Alltag werden. Diese Arbeitsschritte hatten uns bei unserem kleinen Salewa Kashgar 3 nach einigen Tagen manchmal schon regelrecht genervt. Es waren einfach zu viele Schritte und besonders beim Zeltaufbau im Regen war bei unserem Salewa (erst Innenzelt aufstellen, dann Außenzelt drüberwerfen) schnell alles nass.

Anders nun beim Fjällräven. Da es sich um ein Tunnelzelt handelt, hängt das Innenzelt bereits im Außenzelt. Fjällräven hat zudem (genau wie Hilleberg) das „Mega-Feature“ des einhängbaren Footprints am Keb mit vorgesehen. Das heißt, der Aufbau sieht wie folgt aus:

Zelt ausrollen, 3 Stangen einfädeln, 5 Heringe an den Zeltenden in den Boden drücken und schon kann der erste ins Zelt. Und zwar in ein trockenes Zelt, wo man sich dank bereits eingehangenem Footprint noch nicht mal nasse Füße holt. Wir haben dies sehr zu schätzen gelernt. Während so der eine schon immer das Zelt einräumen konnte, hat der andere fix noch die restlichen 16 (!) Heringe in den Boden gedrückt. Ein gutes Zelt zeichnet sich eben unter anderem durch möglichst viele Abspannpunkte aus. So gibt es insgesamt 8 Abspannleinen und 13 Abspannpunkte am Boden. Das dauert schon nochmal kurz… dafür kann im Anschluss aber auch kommen was will – das Ding steht.

Wir haben tatsächlich immer komplett abgespannt und uns damit nicht nur einen erstaunten Blick eingefangen. Die meisten Radler, die wir unterwegs trafen, spannen ihre Zelte nur am Boden ab und nutzen die Abspannleinen nur, wenn abends schon Wind ging. Wir hatten hingegen bei nächtlichen Gewittern oder Stürmen keine Lust, nachträglich das Zelt abzuspannen und gingen so immer auf Nummer sicher. Hat sich ausgezahlt. Oft.

Stabilität

Ich erinnere mich noch gut an eine Nacht in der Kasachischen Steppe. Wir saßen abends noch lange vor dem Zelt und genossen den Sternenhimmel. Die leichte Briese beim Zeltaufbauen hatte sich längst gelegt. Das Zelt haben wir – wie man das mit Tunnelzelten eben macht – mit der Stirnseite in den Wind gestellt. Geringste Angriffsfläche und optimale Abspannung. Aber der Wind hatte sich ja ohnehin gelegt. Wir uns später auch.

Mitten in der Nacht weckt uns plötzlich die Zeltwand. Diese hat nicht nur geflattert. Nein. Der Wind hatte gedreht und drückte nun als Sturm so stark gegen die Seitenwand, dass diese sich begann (trotz voller Abspannung) der Windlast zu beugen und zu Boden – in unsere Gesichter – gedrückt zu werden. Bei den stärksten Böen drückten wir von innen gegen das Zelt, doch wäre unser Häuschen nicht abgespannt gewesen, wäre in dieser Nacht möglicherweise Feierabend mit unserer Behausung gewesen.

Am nächsten Morgen war alles wieder ruhig. Es war ein Sandsturm, im Vorzelt war alles braun und auch das Außenzelt sieht etwas paniert aus… Aber: kein Schaden. Das DAC-Gestänge hat alles perfekt weggesteckt, keine Leine ist gerissen, und auch die Heringe (hier waren es ebenfalls die original DAC-Heringe) steckten unverändert im nicht zu harten Boden.

In einer anderen Nacht lagen mehrere cm schwerer Pappschnee auf dem Zelt, welches dadurch massiv begann durchzuhängen. Wir mussten in regelmäßigen Abständen zwar den Schnee vom Dach runterdrücken, aber geschadet hat dies dem Zelt auch nicht.

Sowohl in der Schneenacht, als auch in einigen anderen stürmischen Nächten, wo aufgrund sandigen Bodens ein sicheres Abspannen ohnehin schon sehr schwer war, haben wir manchmal auch die Fahrräder als Sturmanker verwendet und das Zelt über mehrere Abspannpunkte an unsere Räder gebunden. Betonenswert ist dies deshalb, weil es seitens des Zeltes überhaupt möglich war – und .. weil es tatsächlich funktioniert hat.

Die bei dem Zelt verwendeten Materialien lassen erstmal den Schluss zu, dass man hier äußerst robuste Hightech-Materialien bekommt, die wirklich alles mitmachen. Wirklich alles mitmachen muss so ein Zelt bei uns gar nicht, es reicht wenn es in seinem gedachten Funktionsumfang tadellos funktioniert. Dauerhaft.

Richtig schlimm kaputt gegangen ist während der Tour am Zelt nichts, doch in Sachen Robustheit hätten wir in Anbetracht des Preises bisweilen etwas mehr „endurance“ erwartet. Wir gehen darauf mal Zelt-Teil-weise ein:

Außenzelt

Für jemanden, der zuvor nur mit Zelten mit PU-Beschichtung unterwegs war, ist es zunächst mal völlig fremd, dass das Nylon-Material des Keb je nach Luftfeuchte arbeitet. Sowas erfährt man beim Fachhändler oder im Netz auch immer erst auf Nachfrage. In die Artikelbeschreibung schreibt das keiner. Man gewöhnt sich daran. Durch die Silikonisierung saugt das Material aber auch Staub magisch an. Das war uns ebenfalls neu und auch das steht nirgends. Bei Zelt 1 ist mal beim Heringe-ziehen ein wenig Dreck mit hochgeschnipst.. der Staub bleib bis zum Schluss am Zelt und lies sich auch nicht abwischen. Mit Zelt 2 sind wir dann auf der großen Tour direkt in die Pollensaison gefahren, sodass sich eine grün-gelbliche Färbung einstellte. Wir hatten auch den Eindruck, dass das Material irgendwann gesättigt zu sein schien, sodass neue Anhaftungen weniger dramatisch wurden. Aber einfach mal Zelt ausschütteln ist eben nicht. Die Pollen bleiben wo sie sind. Noch nicht mal Regen hilft da so wirklich. Man muss sich schlichtweg einfach damit abfinden, dass das Zelt eben langsam die Farbe seiner Umgebung annimmt 😊 Integrierter Tarneffekt.

Nachdem das Außenzelt von Zelt 1 irgendwie vernäht war, passte die Geometrie vom zweiten Zelt besser. Dennoch kommt es schnell mal zu Berührungen zwischen Innen und Außenzelt – Besonders am Fußteil.

Man sollte auch keine Wunder von den ach so groß beworbenen Lüftern erwarten. Ein bodentiefes Tunnelzelt ist eben einfach schlecht belüftet und hat auch mehr Kondenswasserprobleme als andere Zelte. Hier haben wir uns von der Werbung blenden lassen, aber wir wollten ja auch ein bodentiefes 4-Jahreszeiten-Zelt. Dass 4-Jahreszeiten-Zelt eigentlich nur für „reines Winter-Zelt“ steht, wurde uns erst klar, als wir mal alle Jahreszeiten durchprobieren konnten. 

Was an den Lüftern aber ganz toll ist: Man hat ein Fenster im Zelt 🙂

Im Sommer stirbt man beinahe den Erstickungstod. Um dem entgegenzuwirken hat das Keb allerdings DEN ENTSCHEIDENDEN VORTEIL, weshalb wir letztlich das Hilleberg links liegen gelassen haben: Zwei große Türen mit Fliegengitter im Vorzelt. Ich erwähnte es bereits.. So haben wir sehr oft mit quasi offener Tür, nur mit Fliegengitterschutz dann doch äußerst angenehm klimatisiert geschlafen und sind beim Sonnenaufgang auch nicht sofort dampfgegart worden. Es hatte auch letztlich jeder von uns „seine Tür“, was das ganze Zeltleben unheimlich entspannt hat, da keiner auf den anderen warten musste, bis der Eingang frei war. Auch erwähnenswert ist, dass man die Türen auch von oben nach unten öffnen kann (quasi als Fenster oder extra-Lüfter).

Die Fliegengitter der beiden Eingänge kann man in der kälteren Jahreszeit auch einrollen. Der einfache Schlaufen-Mechanismus, den Fjällräven hier gewählt hat, überzeugt sehr! Aufpassen muss man jedoch: nie das Zelt mit eingerollten Fliegengittern zusammenpacken. Bei Zelt Nummer 2 hat sich gezeigt, dass das Fliegengitter stark beschädigt werden kann. Grund: Es entsteht zu viel Zugspannung genau da wo das aufgerollte Fliegengitter mit der Fixierschlaufe hochgebunden wird – rollt man jetzt noch das ganze Zelt zusammen, verstärkt sich der Effekt, was bei uns zu etwas lädierten Fliegengittern geführt hat.

Die Fliegengitter („no-see-mesh”) sind übrigens derart fein gewebt, dass da wirklich nichts mehr durchkommt. Auch die kleinsten Tierchen bleiben draußen. Dafür wird aber auch der Luftstrom um ein erhebliches Maß reduziert. Auch interessant ist, dass sich nach kühlen Nächten Kondenswassertröpfchen am Fliegengitter der Innenzeltlüfter bilden. Da geht also nur begrenzt viel Luft durch.

Die Spann- und Nachspannmöglichkeiten des Außenzeltes sind hervorragend, weil äußerst vielseitig. Kritikpunkt hier: die seitlichen Abspannpunkte sind so am Gestängekanal positioniert, dass die Leine an selbigem reibt. Entweder man wählt hier als Hersteller ein abriebfestes Material oder baut den Abspannpunkt anders. Bei uns konnte man sehr gut die Abriebstellen ausmachen. Fehlkonstruktion aus unserer Sicht.

Was wirklich schlecht war: Damit die Lüfter aufgehalten werden, hat man eine Art breites Plastik-Spann-Band eingenäht. Eines Morgens mache ich „das hintere Innenzeltfenster“ auf und schaue zum Außenzeltlüfter, da fällt mein Blick auf einen 4mm-Dorn, den man offenbar vergessen hat von Plastikband abzuschneiden und welcher sich nun durch das Zeltmaterial gebohrt hatte.

Zeltdetails (6)
… da entdecken wir plötzlich, dass da was durch unser Zelt piekst. Ein Teil vom Lüfter war wohl nicht sauber genug verarbeitet worden..

Stangen und Heringe

Hier gibt es überhaupt nichts zu meckern. Die Produkte aus dem Hause DAC sind einfach überzeugend. Das Gestänge funktioniert noch wie am ersten Tag, die Heringe sehen für Ihre intensive Nutzung noch regelrecht neuwertig aus. Auch die Rockpins haben uns überzeugt. Die verbiegt es zwar manchmal, man bekommt sie aber auch wieder mit sanfter Gewalt gut gerade. Sollte sich jemand mal Heringe nachkaufen müssen: Das Geld für die DAC-Heringe lohnt sich!

Innenzelt

Grundsätzlich hat man im Innenzelt ein tolles Raumgefühl. Das helle Material sorgt für eine freundliche Stimmung, die Grundfläche ist ausreichend groß (wir haben die 3-Mann-Variante zu zweit) und an der Wäscheleine kann man allerlei leichte Sachen aufhängen damit sie nicht rumliegen. Eine Stirnlampe z. B. oder mal ein paar Socken für den besonders tiefen Schlaf. Trocken wird dort allerdings nichts. Da braucht man sich nix vormachen.

Das Zelt ist für jemanden von 1,85m Körperlänge mit Schlafsack eigentlich zu kurz. 225cm Innenzeltlänge stehen in der Produktbeschreibung. Da das Zelt an den Enden steil abfällt, entsteht am Fußende der Effekt den man hat, wenn man einen Kleiderschrank in der Dachgeschosswohnung in die Ecke schieben will – irgendwann berührt man das Dach. Bei uns berührt der Schlafsack am Fußteil das Innenzelt, welches eben doch steiler abfällt als gedacht. Gleiches Problem haben wir aber auch von Hilleberg-Nammatj-Besitzern gehört, insofern also „normal“. Die Modelle von Helsport sind nochmal 10-20 cm länger.. vielleicht also eine gute Alternative.. da fehlt es dann aber wieder an anderen Punkten 😉 Tatsächlich waren unsere Schlafsäcke jeden morgen am Fußteil äußerlich feucht. Aber nicht weiter wild.. waren ja keine Daunenschlafsäcke ..

In der Einleitung hatte ich es bereits kurz anklingen lassen: wir sind bereits mit Zelt Nummer 2 auf große Reise gegangen, weil sich bei Zelt Nummer 1 der Innenzeltstoff aufdröselte und die Nahttapes sich überall ablösten.

Den Grund für das Aufdröseln des Zeltstoffes ist uns nach wie vor unklar. Genau dort, wo Innenzelt mit Außenzelt verbunden ist, beginnt allemal sich der Innenzeltstoff vom Reißverschluss aus „aufzuziehen“, d. h. aus dem quadratischen Ripstop-Gewebe werden langsam kleine Rechtecke. Bei Zelt 1 hatten wir das Innenzelt „normal“ eingehangen (also so gelassen wie herstellerseitig vorgesehen), so dass dies leicht auf Spannung hing. Die vielleicht 10x Zeltauf- und -abbauen unserer Alpentour 2016 haben Zelt 1 gereicht, um uns dieses Phänomen der Selbstzerstörung zu zeigen.

Bei Zelt 2 wussten wir nun von diesem Problem und haben versucht das Innenzelt eher „lose“ einzuhängen, damit dieses nicht so auf Spannung hängt. Praktischerweise kann man dazu am Zeltboden die Querverspannung (jeweils eine Zeltleine, die beide Enden des Gestängebogens miteinander verbindet) einfach ändern. Dadurch wird das Zelt schmaler, aber auch höher. Der Spannungseffekt verlagert sich also. Hat am Ende alles insofern funktioniert, dass wir das Aufdröseln verzögern konnten. Dennoch zeigte sich am Ende der Reise der gleiche Effekt.

Das Thema Nahttapes beschäftigte uns auch bei Zelt Nummer 2, allerdings nicht so arg, wie beim ersten Zelt. Dennoch ist es einfach peinlich, dass bei einem Zelt für 1000€ die Tapes in den Zeltecken bereits im Neuzustand schon halb abgelöst sind. Hier scheint Fjällräven ein technologisches Problem in der Herstellung zu haben, denn weder bei unserem alten Salewa-Zelt, noch bei unserem neuen Trekking-Mini-Zelt von Exped zeigen sich derartige Erscheinungen an den Nähten. Für mich sieht das schlichtweg aus, als wäre da zu wenig Hitze beim Schweißen an die Tapes gekommen.

Ich verstehe aber auch nicht, warum es in dieser Preisklasse nicht machbar ist, einfach ohne Nähte im Boden durch Verwendung ausreichend großer Grundtextilien auszukommen.

Footprint

Auch hier ist das Thema Nahttapes dominierend. Da das Footprint ständig vergriffen war, wurde dieses auch bei Zelt 1 nicht mit umgetauscht. Folglich fahren wir immer noch mit dem ersten Footprint herum.

Zunächst mal ist betonenswert, dass man auch auf Schotter oder anderem – vom Campingplatzrasen abweichenden – Untergrund sehr gut geschützt wird. Das Material ist erstaunlich durchstichfest, obwohl es verhältnismäßig dünn daherkommt. Zum Schutz des eigentlichen Zeltes und für den Komfortgewinn im Vorzelt würden wir nie darauf verzichten wollen.

Aber: Das Lösen der Nahttapes wird beim Footprint regelrecht provoziert, da sich der Hersteller dazu entschlossen hat, eine der Nähte im am meisten beanspruchten Bereich, nämlich im Eingangsbereich, ca. 30 cm vor dem Innenzelt zu ziehen. Dort, wo man die ganze Zeit beim Zelt einräumen oder während des Kochens im Vorzelt mit Knien oder Hintern herumrutscht. Wenig clever. Wir mussten unterwegs mit Nahtdichter und Reparaturtape hier flicken, um den Boden dicht zu halten.

Dazu kommt noch, dass das Footprint offenbar recht empfindlich gegen Ameisen ist. Bisher kannte ich nur Berichte, in denen Ameisen den Zeltboden zerschnitten. Der Fall, den wir regelmäßig hatten sah aber so aus: Über Nacht wird das Vorzelt unerwartet von einer Kolonie Ameisen bevölkert. Dabei gerät die ein oder andere zwischen Footprint und Innenzeltboden und lässt reflexartig ihre Ameisensäure raus. Am nächsten Morgen entdecken wir eher zufällig beim Abbauen das Ameisengrab. Neben dem Tier konnte man ein geätztes Loch im Boden ausmachen. Mit frisch glänzendem Rand. Wurde ebenfalls jeweils mit Tesa-Reperaturtape geklebt, hat gut gehalten, uns aber auch etwas verunsichert.

Zecken. Solange man nicht gerade durch die Steppe, Wüste oder auf Eis unterwegs ist, hat man ständig mit ihnen zu tun. Seit wir uns zum Trekking ein kleines leichtes Exped-Zelt zugelegt haben, wissen wir graue Zeltböden- und Footprints sehr zu schätzen. Auf einem schwarzen Zeltboden sieht man die Biester einfach nicht so gut, wie auf helleren.

Kurze Zusammenfassung

Für über 1000€ erwarte ich ein Zelt, welches nicht nur Endurance heißt, sondern auch Endurance ist. Ob es wirklich so ein teures Zelt für die große Tour hätte sein müssen, ist aus heutiger Sicht wirklich fraglich. Jetzt haben wir das Zelt und nutzen es auch dafür, wofür wir es gekauft haben, nämlich für Radreisen. Was wir aber bedenken müssen: Innenzelt nicht zu fest spannen, Gestängekanäle an den Reibungsstellen stets im Blick behalten, Nahttapes regelmäßig kontrollieren und nachbessern. Gegen Ameisen haben wir nur den Nachsorgeplan mit Tape.

Noch ein Wort zum Support beim Hersteller

Zelt 1 wurde wirklich anstandslos getauscht. Ich hatte die Fehler entsprechend beschrieben, aber so wirklich ernst genommen fühlte ich mich nicht. Sei es drum .. es gab ein neues Zelt. Mit einer Reparatur hätte ich durchaus auch leben können. Schließlich tut Fjällräven so einiges für ein sauberes grünes Image – da passt einschicken – wegschmeißen – neues Zelt verschicken nicht so ganz ins Bild.

Zelt 2 ging auch noch innerhalb der 2 jährigen Gewährleistung mit oben beschriebenen Mängeln kaputt. Bereits aus Kasachstan schrieb ich die erste Mail. Keine Reaktion. Es dauerte mehrere Monate – Monate, in denen ich nicht nur eine Mail an nicht nur eine Kontaktadresse schrieb – bis mal jemand reagierte. Eine sehr schwere Geburt, die viel Geduld abverlangte. Schwalbe, Magura, Ortlieb oder Busch&Müller zeigen, dass das auch anders geht.. Aber wie dem auch sei …das Zelt wurde ein letztes Mal getauscht. Wir haben jetzt Zelt Nummer 3.

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7 Kommentare zu „Unser Zelt: Fjällräven Keb endurance 3 – ein Erfahrungsbericht

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  1. Sehr interessanter Bericht – vielen Dank!
    Es gibt in der Tat viel zu wenige unabhängige Berichte, insbesondere über einen längeren Zeitraum.

    Wir haben vor kurzem unser Keb bekommen und gerade testweise zum ersten mal aufgebaut. Hinsichtlich der von Euch identifizierten Schwachpunkte:

    1) Seitliche Abspannpunkte am (mittleren) Gestängekanal

    Diese sind jetzt mit längeren Schlaufen versehen, d.h. die Leinen können nicht mehr am Gestängekanal reiben (theoretisch jedoch die Schlaufen selber). Mal sehen, wie sich das in der Praxis bewährt.

    2) Einhängung Innenzelt

    Hier scheint immer noch etwas Spannung zu herrschen.
    (i) Habt Ihr nur die Einhängung am vorderen Zeltgestänge verlängert oder auch die am hinteren (vgl. Foto-Zeltdetails 10)?
    (ii) Analog: Habt Ihr die unterste Einhängung nur vorne oder auch hinten „gekappt“ (vgl. Foto-Zeltdetails 14)?

    3) Querverspannung des Zeltbodens
    Insbesondere die Zeltleine zwischen dem hinteren Gestängebogen steht unter ziemlich starker Spannung und hebt dadurch den Boden des Innenzeltes stark an/drückt ihn nach oben. Habt Ihr einen Weg gefunden, dieses zu reduzieren, z.B. stärkere Spannung auf Gestänge geben, Leine verlängern o.a.?

    Besten Dank!

    Marc

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr interessanter Bericht – vielen Dank!
    Es gibt in der Tat viel zu wenige unabhängige Berichte, insbesondere über einen längeren Zeitraum.
    Wir haben auch vor kurzem unser Keb bekommen und gerade testweise zum ersten mal aufgebaut. Hinsichtlich der von Euch identifizierten Schwachpunkte:
    1) Seitliche Abspannpunkte am (mittleren) Gestängekanal
    Diese sind jetzt mit längeren Schlaufen versehen, d.h. die Leinen können nicht mehr am Gestängekanal reiben (theoretisch jedoch die Schlaufen selber). Mal sehen, wie sich das in der Praxis bewährt.
    2) Einhängung Innenzelt:
    Hier scheint immer noch etwas Spannung zu herrschen.
    (i) Habt Ihr nur die Einhängung am vorderen Zeltgestänge verlängert oder auch die am hinteren (vgl. Foto-Zeltdetails 10)?
    (ii) Analog: Habt Ihr die unterste Einhängung nur vorne oder auch hinten „gekappt“ (s. Foto 14)?
    3) Querverspannung des Zeltbodens
    Insbesondere die Zeltleine zwischen dem hinteren Gestängebogen steht unter starker Spannung und hebt dadurch den Boden des Innenzeltes ziemlich stark an/nach oben. Habt Ihr einen Weg gefunden, dieses effektiv zu reduzieren, z.B. stärkere Spannung auf Gestänge geben, Leine verlängern o.a.?
    Dank & Gruss
    Marc

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Marc,
      das ist ja interessant, dass Fjällräven da scheinbar nochmal an den Abspannpunkten nachgebessert hat. Wie gut die Nachbesserung ist, werdet ihr ja dann mit der Zeit beobachten können. Zu deinen anderen Fragen beziehe ich mich mal auf deine Gliederung 🙂
      2. (i) Wir haben nur die Einhängung am Eingang verlängert (also mittlerer Gestängebogen). Am hinteren Gestängebogen, der die Schlafkabine aufhält traten „obenrum“ keine Spannungen auf.
      2. (ii) .. entsprechend haben wir auch nur am Innenzelteingang die unterste Innenzelteinhängung ausgehangen. Die Spannungen enstehen ja dadurch, dass da eben die Tür ist, die quasi von innen Zug auf die Einhängung bringt. Das hast du ja am hinteren Gestängekanal nicht. Dort kann das Material ja ruhig nach außen gezogen werden, weil von innen nix gegenzieht. (ich hoffe mich verständlich ausgedrückt zu haben)
      3. Die Zeltleinen, die am Zeltboden quer von einem Ende des Gestängebogens zum anderen laufen, müssen sogar unter Spannung stehen, da ja sonst der Gestängekanal nicht in der gewünschten Tunnelform bleiben würde. Kleinere Zelte (unser Exped Venus II UL z.B.) kommen ohne solche Querspannleinen aus, Große Tunnelzelte brauchen die leinen aber. Ist die Querverspannung zu lang, kommt seitlich Zug auf die Innenzelteinhängung, macht man Sie zu kurz, wird der Tunnel schmaler und höher, es kommt also oben mehr Zug aufs Innenzelt. Wir haben tatsächlich die Querverspannung am mittleren (am Innenzelteingang) und am hinteren Gestängekanal kürzer gemacht, um die Spannung vom Innenzelt zu nehmen. Gerade am Zeltboden merkt man das deutlich, da dieser dann eben nicht mehr straff, sondern „normal“ und nicht mehr unter Spannung hängt. Das hat ganz gut funktioniert, das Innenzelt-Stoff-Aufdrösel-Problem aber auch nur verlangsamt. Immerhin.
      Habt immer ein bisschen ein Auge auf eure Festung, dann werdet ihr eine tolle Zeit und viel Spaß damit haben 🙂
      Und auch wenn das Footprint bei mir nicht so gut weggekommen ist, darauf verzichten würde ich trotzdem nicht. Das hängt immer drin und schont das Material doch sehr. Kann man sich aber vielleicht auch selber bauen. Die Stoffe gibt’s ja auch einzeln zu kaufen.
      Ahoj,
      Lars

      Liken

  3. Hallo Lars,

    super, danke – ich werde es dann mal testen die Querleinen etwas zu verkürzen. Das diese bei einem Tunnel unter Spannung stehen (müssen) ist logisch. Nur war das bei unserem vorherigen Helsport irgendwie etwas besser gelöst. Allerdings waren dessen Leinen auch deutlich dünner.

    Gerade ist auch noch der Footprint geliefert worden, mal sehen wie lange er hält.

    In 4 Wochen geht’s dann auf die erste Tour nach Norwegen…

    Gruss

    Marc

    Gefällt 1 Person

  4. Sehr schöner Bericht. Und wunderschöne Bilder. Ich dachte bis jetzt immer ein Fjäll Räven Zelt sei die Oberklasse aller Hilleberg. Das kann man dann wohl streichen. Übrigens hat man die Probleme mit der Schrägen beim Hilleberg Kaitum nicht. Ich habe mich nach vielem Hin- und Her für ein Wechsel Outpost Zero G Line entschieden. Gab es bei Sportscheck vor ein paar Wochen für 298,99€. Kostet sonst 597€. Hat ein Asymetrisches Innenzelt und vopn daher Platz für einen Riesen mit nocrmal gewachsener Freundin. Und vor allem den schönen Lüftungsdeckel. Aber halt 3 Season. Danke für den schönen Bericht!

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  5. Prima Bericht…schön zu lesen!
    Mein „erstes“ Keb3Endurance ist gerade auf dem Weg zu mir…bin mal gespannt.
    Werden es auf Motorrad- und Kanutouren einsetzen.
    Wenn wir daran denken, werden wir evtl. auch ein paar Bilder und Kommentare ins Netz stellen.
    LG
    Bernhard und Susanne

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