km 1848 – es wird bergig

Ihr Lieben, jetzt habt ihr schon 2 Wochen nichts von uns gehört. Wir sind so langsam im Radnomadenleben angekommen und müssen dennoch feststellen, dass die Zeit schneller verfliegt, als uns lieb ist. Nun sitzen wir in einer superschönen und urigen Berghütte im kleinen Ort Šumiac mitten in den Bergen der Niederen Tatra und versuchen für euch das Wesentlichste in Worte zu fassen. Der Kamin knistert. Eine toller Ort für einen neuen Bericht.

Als wir in Krakau starteten, wussten wir noch nicht so genau, wie wir Richtung Süden fahren sollten. Zakopane war das nächstgrößere Ziel. Der direkte Weg führt ausschließlich entlang größerer Straßen. Wenig reizvoll. Es gibt aber auch noch eine Radroute – den Greenway Krakau – Budapest. Noch am Frühstückstisch entscheiden wir uns dennoch für eine relativ direkte Route, nach den ersten paar Kilometern Fahrt wählen wir dann aber doch den Greenway. Lieber die Landschaft genießen und dafür nicht ganz so schnell vorankommen, als laute und verkehrsreiche Bundesstraßen! Wie ihr seht: sprunghafte Routenplanung ist neben späten Starts voll unser Ding! 😊 Nix muss – alles kann!

Was wir zum Zeitpunkt der Routenwahl noch nicht wussten. Der Radweg geht voll durch die Beskiden. Um ehrlich zu sein, hatte bis dato keiner von uns beiden so wirklich Notiz von diesem Gebirge genommen. Das sollte sich nun ändern. Wir fahren zunächst ein Stück an der Weichsel zurück und biegen dann nach Süden ab. Die ersten Berge lassen nicht lange auf sich warten. Dass an diesem Tag nach nicht einmal 50 km bereits Schluss war, lag aber nicht (nur) an den Bergen.

In Lanckorona holt uns Jacek „von der Straße“. Wir kurbeln an seinem Grundstück vorbei, als er gerade den Müll rausbringt. Da wir in Polnisch keine brauchbare Antwort liefern können, spricht er uns eben in bestem Englisch an. Das hätten wir jetzt nicht erwartet. Es dauert nicht lange, da steht unser Zelt im Garten und wir spielen mit den Kindern. Wir zelten hier mit bestem Blick auf die wunderschöne Berglandschaft. Ein Traum! Den Abend verbringen wir gemeinsam mit der Familie. Jacek war sogar extra noch einkaufen und wir bekommen leckeres Abendbrot und ein originales polnisches Bier. Die kleinen Mäuse sind ganz aufgedreht und freuen sich anscheinend über den unangekündigten Besuch. Am nächsten Morgen werden wir noch mit Frühstück versorgt und bekommen ein riesiges Essenspaket für den Weg mit. Wahnsinn – Wir können es kaum glauben. Vielen Dank für die Gastfreundschaft! Bei euch wären wir gern noch länger geblieben!

Der nächste Tag startet mit frühsommerlichem Wetter. Es sind fast 20 Grad als wir an den historischen Holzhäusern von Lanckorona vorbeifahren. In dieser Gegend begegnen uns immer wieder diese niedlichen alten Holzhäuschen. Wer eins sehen will, muss aber trotzdem selber hinfahren, weil wir es irgendwie versäumt haben, eins zu fotografieren. Kurz vor Sucha Beskida – wir quälen uns gerade mal wieder einen Berg hoch – werden wir kurz vor Ende des Anstieges von Vini auf ein Bier eingeladen. Das kommt genau richtig! Auch er spricht sehr gut Englisch und wir können für einige Zeit wunderbar bei ihm abschalten. Bei den vielen netten Kontakten rast die Zeit so ungemein – aber wen interessieren schon Kilometer? Wie Vini sagte: „An dem einen Tag fährst du 5 und am nächsten 50km – ist egal!“ Viele prägende Eindrücke allein durch die spannenden Geschichten, lächelnden Gesichter und die immer wieder guten Wünsche der herzlichen Menschen entlang unseres Weges versorgen uns täglich mit ordentlich Energie.

Die Nachmittagssonne verschwindet plötzlich aus Vinis Garten – dunkle Wolken ziehen auf. Wir müssen weiter. Noch schnell am nächsten Supermarkt was zu essen bunkern, dann fängt es auch schon leicht an zu tröpfeln. Wir halten die Augen nach guten Zeltmöglichkeiten auf. Leider ist bei diesem zunehmenden Regen jedoch keiner mehr in seinem Garten, den wir um Asyl bitten können. Der Ort ist gleich zu Ende, danach geht’s steil den Berg hoch und für die nächsten 20km gibt es laut Karte kein Haus mehr. Eine Lösung muss her. Auf der linken Seite sehen wir Jemanden über den Hof huschen. Es ist das vorletzte Haus des Ortes – eine kleine Autowerkstatt. Wir fahren auf den Hof und treffen den Werkstattinhaber. Wieder das übliche Sprachproblem, doch glücklicherweise haben wir diesmal vorher nachgeschlagen, was Zelt auf Polnisch heißt. Es regnet inzwischen stark, wir sind klatschnass. Wir zeigen auf die Wiese vor dem Grundstück und sagen „namiot“. Der Groschen fällt – wir dürfen bleiben. Super! Zum ersten Mal bauen wir unsere Hütte im strömenden Regen auf. Die Leute von dem Grundstück gucken immer mal mitleidig und bieten uns schließlich sogar noch heißen Tee an. Aus Höflichkeit lehnen wir dieses Mal ab, ärgern uns dann aber darüber. So können wir unsere Gastgeber schließlich nicht richtig kennenlernen. Das werden wir wieder ändern.

Am nächsten Morgen bauen wir in einer kurzen Regenpause das Zelt ab und sind sehr dankbar, dass wir noch so gut untergekommen sind. Der Tag beginnt direkt mit 10% Steigung und Regen. Es ist 6 °C „warm“. Wir hinterfragen immer mehr den Sinn von Regenjacken. Die Dinger sollen ach wie atmungsaktiv sein und trotzdem ist die Jacke innen immer nasser als außen. Ein erhebliches Problem. Zudem müssen wir feststellen, dass es bevorzugt dann stark regnet, wenn wir gerade eine mehrstündige Steigung von 8-12 % vor uns haben. Wir nehmen es mit Humor. Anders geht’s auch nicht.

Nach mehreren Stunden haben wir den letzten Pass der Beskiden erklommen. Große Anstrengung, viel Schweiß, doch irgendwann ist es geschafft. Der höchste Punkt lag bei 1042m. Ab 800 m lag bereits Schnee links und rechts der Straße. Genial! Nachdem wir über die letzte Passhöhe drüber sind, reißt der Himmel ein wenig auf. In der Ferne stehen die schneebedeckten Bergriesen der Tatra wie ein Mahnmal in der Landschaft. Ein gigantischer Anblick. Die Kraftanstrengung des letzten Passes kommt uns bei diesem Anblick völlig lächerlich vor. Voller Vorfreude radeln wir den weißen Schneeriesen entgegen.

Ein kleiner Abstecher muss aber sein – wir wollen noch den Oravastausee sehen und biegen auf dem Weg nach Zakopane kurzerhand nochmal ab. Der Himmel sieht schon wieder nach Regen aus und wir sind erneut auf Schlafplatzsuche und werden schließlich bei Wikingern fündig, die uns – mal wieder komplett regennass – in ihren Garten lassen. Unsere erste Unterkunft in der Slowakei. Wir fahren durch den Ort Bobrov und stoppen völlig fasziniert vor einem Grundstück. Das Garten-„tor“ wird durch drei riesige Felsquader gebildet. Zwei hochkant, einer obendrauf quer. Da müssen wir hin, denken wir und gehen durch das Tor. Hinter dem Fenster stehen bestimmt schon vier Leute. Der Hausherr öffnet uns. Niemand spricht Deutsch oder Englisch. Aber Italienisch. Das kann er. Super! Wir packen unsere 10 Worte Urlaubsitalienisch aus und dürfen unser Zelt im Garten aufschlagen. Italienische Wikinger? Eher nein. Aber im Grundstück, am Haus und auch im Haus sah es in der Tat sehr sehr stilecht aus. Nur der Helm mit den Hörnern hat gefehlt. Ganz slowakisch war dann aber noch der Willkommenstrunk: 2 Borowitschka. Dobru Noc!

Am nächsten Tag umrunden wir den Oravastausee. Dauerregen. 3 Grad. Wir genießen die Landschaft und das schöne Wetter…. Und sind dabei überaus schnell. Schon zum Nachmittag haben wir die knapp 60 km bis Zakopane geschafft. Strampeln ist die beste Lösung um irgendwie warm zu bleiben. Dank Regenjacken blieb der kalte Regen zwar draußen, alle Sachen unter der Regenjacke sind aber von der Anstrengung mal wieder triefend nass. Und nach kurzer Zeit dann doch kalt. So kalt, dass Aileen bei einer Pause länger als 30 Sekunden friert. In Zakopane gehen wir ins erstbeste Restaurace, um uns aufzuwärmen. Die blauen Lippen und das Zittern am ganzen Körper halten trotz heißen Bieres an . (gab es tatsächlich in der Karte!) So sieht also Frühling aus…

Zakopane selbst gefällt uns sehr gut. Wir bleiben zwei Nächte. Einerseits ist die Unterkunft sehr schön, andererseits regnet es den gesamten Pausentag derart stark, dass wir wirklich Mühe haben, überhaupt mal vor die Tür zu gehen.

Dann geht’s über die Berge. Von Zakopane aus steigt die Straße moderat an. Zum Glück nicht so steil wie in den Beskiden und so erreichen wir nach einigen hundert Höhenmetern die Polnisch-Slowakische Grenze. Aileen friert schon wieder. Wir kaufen Sliwowitz am Verkaufsstand unmittelbar hinter der Grenze, um unseren heißen Tee etwas aufzuwerten. 😉 Ein Mann spricht uns an und lädt uns in die direkt nebenan befindliche Hütte zu einem selbstgemachten Enzianschnaps ein. Er heißt Josef und ist Wirt vom Tatraforum – einer Berghütte hier in Lysa Polana. Wir lernen außerdem noch Zuzana und Stefan samt Tochter kennen und versacken etwas in der Hütte, sodass wir uns spontan entscheiden, eine Nacht hier zu bleiben und noch einmal ohne Gepäck die nähere Umgebung zu erkunden. Zuzana lädt uns außerdem noch zu sich nach Kežmarok ein. Fetzt. Wir kommen!

Am nächsten Tag erwartet uns aber erstmal die Tatra-Hochstraße. Der Blick auf die riesigen Tatraberge lässt uns nicht mehr los. Auf der Lomnitzer Spitze wird immer noch Ski gefahren, obwohl unten schon alles grün ist. Erschreckend ist nur, wie viel Wald hier fehlt. 2004 hat hier ein schwerer Sturm einen Großteil der Wälder niedergemacht. Um den Rest kümmert sich bisweilen der Borkenkäfer. Ein trauriger Anblick. Traurig ist auch die Unterkunft, die wir für diesen Tag finden konnten. Ein „Hotel“ in Strbske Pleso… nicht unbedingt das Beste und mit 40€/ Nacht weit über dem, was wir eigentlich für eine Nacht bereit sind zu zahlen – aber trotzdem noch das billigste. Sauber hat hier jedenfalls keiner gemacht. In der Wanne hat einer mit ein bisschen weißer Wandfarbe die völlig verschlissene Emailleschicht versucht zu kaschieren. Die Betten sind frisch bezogen, zumindest ist das Bettzeug so drapiert, dass man dies denken könnte. Die kleinen Tierchen, die auf den Bettbezügen zum Samstagsmarsch angetreten sind, deuten jedoch darauf hin, dass wir uns auch hier womöglich täuschen könnten. Keine Kompromisse: Bettzeug runter, Zeltboden über das Bett gespannt (der ist zwar auch schmutzig, aber nur von unten) und Schlafsack draufgepackt – so lässt es sich dann doch irgendwie aushalten. Das Jucken auf der Haut ist wohl reine Kopfsache… Mit dem Gedanken an die faszinierenden Berge der Hohen Tatra können wir aber trotzdem sehr gut einschlafen.

Strbske Pleso ist mit 1381 m der höchste Punkt der Tatrahochstraße. Auch unser höchster Punkt generell bis jetzt. Hier ist es so kalt, dass der große gleichnamige See noch fast komplett zugefroren ist. Am Morgen nach unserer teuren Hotelnacht haben wir hier sogar richtig gutes Fotowetter. Endlich mal wieder blauer Himmel und Sonne. Wir entscheiden uns, noch einen Abstecher zum Fuße des Krivans zu machen. Dort gibt es einen tollen Wasserfall, den wir jedoch nur noch zu Fuß erreichen, da vorher auf dem Weg bereits knietief der Schnee lag.

Anschließend geht’s rüber zur Niederen Tatra, welche die ganze Zeit schon gut in Sichtweite lag. Nach unserer ersten Nacht auf einem Bezahl-Campingplatz rollen die Räder nun gen Osten am Nordrand der Niederen Tatra. Wir finden ein schönes Tal und einen nicht ganz so bergigen und verkehrsarmen Weg und radeln so bis Liptovska Teplička. Der erste Ort, in dem wir mal durch eine Zigeunersiedlung fahren. Bisher haben wir zwar hier ab und an auch schon immer mal einen Zigeuner herumlaufen sehen, aber das Bild was sich uns hier bot war ein anderes. Auf einer Straße liegen Teppiche, auf ihnen knien  Frauen, die diese Teppiche schrubben. Daneben Männer, die einfach nur rumstehen und rauchen. Dazwischen überall Kinder. Links geht es steil den Berg hoch. Oben sehen wir noch mehr Häuser. Ach was. Eher Baracken, maximal Rohbauten. Einige haben Fenster. Die Hälfte davon ist jedoch kaputt. Einige Kaputte Fenster wurden notdürftig mit Folie repariert, die wiederum aufgeschlitzt ist. Es ist wirklich seltsam. Viele Leute, viele neugierige Blicke.

Im Dorfladen ist der betrunkenste Kunde gleichzeitig der Hilfreichste. Er führt uns zu einer Pension am oberen Ende des Ortes – hier können wir erstmal für relativ wenig Geld essen. Schonmal ein Teilerfolg. Nun müssen wir das nur noch mit dem kostenlos Schlafen klären… Keiner spricht Deutsch oder  Englisch, aber alle sind sehr bemüht, jemanden zu finden, der uns versteht. Schließlich dürfen wir unser Zelt hinter der Pension auf der Wiese aufbauen. Doch dazu kommt es nicht. Vlado taucht auf. Er wohnt gegenüber und die Penzionsbar ist offenbar seine Stammkneipe. Er läd uns zu sich ein, weil es hier viele Bären geben soll und wir besser nicht campen sollten. Wir folgen schließlich seiner Einladung. Wir sollen uns wie „zu Hause“ fühlen und dürfen sogar im Gästezimmer schlafen. Er spricht sehr gut Deutsch und erzählt uns viel über den Ort. Einst boomte hier das Skigeschäft, doch inzwischen ist der Skihang verkauft und der neue Eigentümer hat kein Interesse mehr. Die touristische Infrastruktur geht folglich nach und nach den Bach runter. Echt schade.

Am nächsten Morgen werden wir zum Frühstück mit selbstgebackenem Kuchen von Vlados Mutter überrascht – Supertoll! Lieber Vlado, liebe Alena – Vielen herzlichen Dank! Es war wirklich toll bei euch!

Wir fahren weiter Richtung Osten – die Zigeunersiedlungen nehmen immer mehr zu (wir haben uns bisweilen noch nicht getraut, mal eine zu fotografieren). Was ebenfalls zunimmt ist die Holzindustrie. Sowohl in der Hohen Tatra – wo kaum noch Wald steht – als auch besonders in der Niederen Tatra wird hektarweise Wald gerodet. Das kann man sich nicht vorstellen. Und alles sollen Nationalparks sein. Völliger Quatsch. Ein Holzlaster folgt auf den nächsten. Viele Sägewerke, zügeweise wird das Holz hier weggekarrt. Wir finden es wirklich sehr schade, wie hier ein Wald nach dem anderen niedergemäht wird. Kein schönes Bild. Und auch jeder, mit dem wir darüber sprechen, schüttelt nur traurig und verständnislos den Kopf. Die Leute sind machtlos gegen das, was hier passiert. Die Rodungen werden offenbar von „weiter oben“ veranlasst.

Unser nächstes Tagesziel erreichen wir – wie sollte es anders sein – im strömenden Regen. Wir sind an der Zipser Burg – Spišský Hrad. Hier haben wir spontan eine sehr preiswerte Unterkunft gebucht und checken bei mittlerweile starkem Gewitterregen ein. Es ist erst um 7, aber der Himmel ist schwarz. Blitze zucken durch die Wolken und hauen uns den Donner mit einem Bass um die Ohren, dass einem fast das Herz stehen bleibt. Unser Gastgeber zeigt uns unser Zimmer. Es ist riesig. Mit großem überdachten Balkon und direktem Blick auf die Burg. Wir buchen spontan noch eine zweite Nacht dazu. Ab halb 9 wird die Burg auch noch angeleuchtet, was in Kombination mit dem immer noch festhängenden Gewitter sehr sehr spektakulär wirkt. Fortan machen wir gefühlt minütlich Fotos. Die Burg thront derart majestätisch vor uns auf dem Berg, dass wir ununterbrochen das Bedürfnis haben, dieses unbedingt festhalten zu müssen. Am nächsten Tag kommt dazu auch noch die Sonne raus. Fotos, Fotos, Fotos. Dieses Ding haut uns echt von den Socken. Eine Burgbesichtigung darf da natürlich nicht fehlen. Hier treffen wir auf Robert – einem Polen, der zurzeit Urlaub mit Familie hier macht. Er hat einige Zeit in Schwedt gearbeitet und freut sich nun riesig, dass er mit uns Deutsch sprechen kann. Seine gute Laune ist so ansteckend, dass wir fortan mit einem Grinsen durch das Burggelände ziehen. Eine sehr herzliche Begegnung.

Nun geht’s wieder zurück nach Westen. Zuzana aus dem Tatraforum hatte uns ja eingeladen. Unterwegs treffen wir in Levoca auf eine Gruppe Ukrainer, die hier mit Ihren Rädern in deutlich größerem Tempo Polen und die Slowakei besichtigen. Die ersten Reiseradler seit langem. Gegen Abend trudeln wir in Kežmarok ein. Zuzana hat uns einen Schlafplatz im Garten bei Peter organisiert. Als wir ankommen, sind bestimmt 10-15 Leute bei einer kleinen Grillparty zugange. Mindestens die Hälfte ist unter 18, keiner trinkt Alkohol. Damit haben wir nicht gerechnet. Wir sind vorher extra noch zu Lidl und haben deutschen Wein (mit Fahrrad drauf) als Gastgeschenk besorgt. Die Gruppe nimmt uns sehr sehr herzlich auf, wir bekommen perfekt gegrilltes Essen und können uns sehr gut auf Deutsch und Englisch mit vielen unterhalten. Einige sprechen wirklich sehr gut deutsch – wird hier als erste Fremdsprache in der Schule angeboten. Auch untypisch – gegen 10 ist die Party beendet, weil am Folgetag (Samstag) viele arbeiten müssen. Wir sitzen anschließend noch ein Weilchen mit Peters Vater, der spontan mit einer kleinen Flasche Rum ankommt und schlafen schließlich sehr gut. Zum Frühstück bekommen wir sogar noch einen Kaffee – wiedermal echt cool, wie nett die Leute zu uns Wildfremden sind 😊 Nach dem Frühstückskaffee besuchen wir schließlich noch Zuzana und Familie, holen uns noch einige Besichtigungstipps ab und fahren anschließend in Richtung Poprad.

Zum späten Nachmittag kreuzen wir unseren eigenen Weg und gelangen so schließlich ins Slowakische Paradies – Nationalpark Slovenský raj. Auf dem Campingplatz lernen wir zwei Wandrerinnen aus der Tschechei kennen – Monika und Renata – mit denen wir uns ausgezeichnet verstehen, ohne dass einer die Sprache des anderen so richtig versteht. Sie zeigen uns Bilder von ihrer Wanderung durch eine Schlucht und wir ärgern uns, dass das Wetter für den nächsten Tag alles andere als gut werden soll. Klettersteige über wild rauschenden Flüssen in leuchtendgrüner Natur hätten wir uns auch gerne angesehen. Dann eben rauf auf die Drahtesel und weiterkurbeln…

Schließlich – liebe Leser, ihr habt es gleich geschafft – machen wir uns auf den Weg nach Šumiac. Einmal über das Slowakische Paradies und dann noch einmal bis auf 1300 m hoch in die Niedere Tatra – auf losem Untergrund, bei strömendem Regen. Bärenwarntafeln dann, wenn der Untergrund nicht mehr zu befahren ist, weil die Waldrodungsbagger die Wege derart zerstört haben, dass selbst das Schieben zu zweit sehr anstrengend wird. Wir sind aufgrund der Tafeln ein wenig beunruhigt, sehen aber auch ein, dass wir es sowieso nicht ändern können und schieben weiter durch den Schlamm.

In Šumiac sind wir mit Milan verabredet, den wir über 2 Ecken kennen (Danke Thorsten, Danke Marko 😊). Er empfängt uns sehr herzlich in seinem Garten. Wir fühlen uns sofort wohl. Milan hat hier eine urige Privatpension mit viel Liebe zum Detail aufgebaut (http://www.penziondrevenica.sk/) und wir dürfen bei ihm im Garten zelten. Im Garten dampft auch schon der Badezuber – den haben aber die anderen Gäste schon bestellt. Trotzdem genial! Auch hier bleiben wir gleich 2 Nächte, da wir wieder einmal hoch hinaus wollen – diesmal aber ohne Gepäck. Wir folgen Milans Empfehlung für eine Tagestour auf‘s Muranska-Plateau. Steil abfallende Felsen und eine wunderschöne Aussicht über das Tal lassen jede Anstrengung vergessen. Hier oben und erst recht bei Milan im warmen Stübchen fühlen wir uns richtig wohl. Zum Abend gehen wir mit ihm noch ein Bier trinken und schließlich endet der Abend für uns erneut am Kaminfeuer. Vielen Dank lieber Milan, dass wir deine Gäste sein durften! Deine Pension ist wirklich ein toller Ort, um die Seele ein bisschen baumeln zu lassen.

So. Nun ist Tag 39 angebrochen. Wir haben uns die halbe Nacht um die Ohren geschlagen, um euch endlich wieder auf den aktuellen Stand zu bringen und hoffen, dass es euch gefällt. Uns hat es jedenfalls sehr gefallen. Überall. Unser Weg führt uns nun weiter nach Süden. Wir haben unsere Route weiter durchdacht und werden nun über Ungarn in Richtung Rumänien weiterziehen.

Bis bald also,

Aileen + Lars 😊

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9 Kommentare zu „km 1848 – es wird bergig

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  1. Wollt Ihr nicht ein Buch veröffentlichen ?Eure Erlebnisse sind so toll beschrieben sehr spannend wir freuen uns daß es Euch gut geht und Ihr so viele Begegnungen habt.Opa geht es gut, das Blutbild wird immer besser .Passt aber bitte auf Euch auf und kommt gesund wieder mit Spannung erwarten wir Euren nächsten Bericht.Bis Bald das Tantchen und Anhang 😉😉😉

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  2. Heute große Freude bei uns! Hallo Aileen und Lars! Euer neues Lebenszeichen, der neue Block, ist von uns sofort entdeckt und aufmeksam gelesen worden. Bei den ganzen Anstrengungen und schlechtem Wetter staunen wir über Eure gute Laune. Was habt Ihr für ein Glück mit den ganzen gastfreundlichen Leuten. Wieviel Gewcht habt Ihr Euch denn schon abgestrampelt? Wir wünschen Euch in Zukunft besseres Wetter, bleibt bloß schön gesund, alles Gute auf den weiteren Radkilometern. Liebe Grüße und ein ganz besonderes Dankeschün für den neuen Bericht. Oma C. und Opa G. !

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  3. Na aber hallo Ihr Profi-Reisereporter. Wirklich toll geschrieben, wie ein Reiseführer! Weiter so!!! Wir freuen uns Euch auf diese Art folgen zu können und wünschen Euch weiterhin viel Glück und gute Laune und beste Gesundheit. Hoffentlich habt Ihr Euch bald mal gutes Wetter verdient!:-) Viel Spaß weiterhin und spannende Abenteuer, die immer gut ausgehen.Alles Gute auf Euren Weg und viele Grüße von Anke und Papa

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  4. Vielen Dank für den neuen, ausführlichen Bericht mit den tollen Bildern !
    🏰🏔🚴🏼🚴🏼‍♀️⛺️🌧🌈☀️
    Wir schauen jeden Tag nach Neuigkeiten auf Eurer Seite und suchen den aktuellen Standort des Fahrrades auf der Karte.
    Erleichtert lesen wir, wie viele freundliche, hilfsbereite Menschen Ihr trefft, fühlen uns auch kalt und durchnässt und haben zittrige Beinmuskeln vom Bergauf-Fahren … zum Glück sitzen wir dabei auf der Couch im warmen Wohnzimmer!
    Diesmal wurden Erinnerungen wach an unsere eigene Tatra-Balaton-Wien-Tour vor *urghhh* 26 Jahren … mit Auto, Zelt und Tatra-Wandern im Regen, Surfen auf dem Balaton, Naschmarkt und Prater, und und und ….
    Bleibt gesund, behaltet Eure gute Laune und lasst uns weiter an Eurer Tour teilhaben.
    Alles Gute und endlich ein besseres Radfahrer-Wetter !
    ☀️😊

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  5. Bitte, und gern geschehen, liebe Aileen, lieber Lars. Es ist so eine seltsame Mischung zwischen „Neid“ und sprachlosem Staunen… Ihr habt weißgott nicht den freundlichsten Frühling erwischt, aber umso mehr Hut-Ab vor Euren Schnee-Abenteuern, Schmunzeln über Larsens neon-gelbe Warnweste, Kopfschüteln über alkohol-freie Slowaken-Parties und, und, und… Vorfreude auf Rumänien. Und wunderbar, dass es mit den Kontakten (Marko) schonmal so gut geklappt hat! Bleibt tapfer… bis ganz bald!

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  6. Hallo ihr zwei Sportler!!
    Aus all euren Zeilen spricht ein toller Geist und es ist so schön, dass der euch überall wieder begegnet und ihr so viel unsagbar herzliche Begegnungen erlebt. Schon bis hierhin hat sich dieses Abenteuer gelohnt, selbst, wenn jetzt nichts Schönes mehr käme. Das Bisherige sitzt sicher so tief in euch, dass es nichts mehr ausbrennen könnte.
    Ich kann Gitti nur zustimmen, dass daran am Ende mehr teilhaben sollten, als die Blogfolger.
    Macht ihr so super bis jetzt und ich denke, dass euch vor nichts bange sein muss.
    Cross the fingers for the next!!

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  7. Hallo ihr beiden Abenteurer,
    ich ziehe wirklich den Hut vor euch, dass ihr trotz der wetterbedingten und verständigungsbedingten Hürden noch immer bester Laune seid, offen auf alle Leute zu geht und tapfer weiter gen Osten zieht. Macht weiter so!
    Manchmal bin ich schon neidisch auf euer Abenteuer, dass legt sich aber schnell wieder, wenn ihr von den Temperaturen und dem Regen schreibt. 😉
    Bei uns scheint es ab heute endlich wärmer zu werden. Ich hoffe, ihr habt das selbe Glück.
    Weiterhin alles Gute, viele tolle Erfahrungen, atemberaubende Landschaften und sympathische Menschen!
    GLG
    Fl:o)

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  8. Wir danken euch von Herzen für die lieben Kommentare und freuen uns immer sehr über jeden einzelnen. Wir geben unser Bestes, dass ihr auf den nächsten Bericht nicht ganz so lange warten müsst. Beste Grüße aus den ungarischen Bergen 🙂 Aileen+Lars

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